| Saarbrücker Zeitung Freitag d. 29.Juli 2005
Fast alle kennen sich
Von SZ-MITARBEITER Gerhard Alt
34 Franzosen aus Le Havre
und Umgebung sind bei Familien in Felsberg zu Gast. Seit 41 Jahren
besteht die Partnerschaft Felsberg-Le Havre. Man trifft sich
mindestens einmal im Jahr. Kinder reisen gerne mit ihren Familien,
verlieren aber das Interesse, wenn sie älter werden. Der Felsberger
Verein wünscht sich neue Mitglieder.
Eine
deutsch-französische Familie aus Felsberg und Le Havre traf
sich auf dem Sportplatz.
Foto: Gerhard Alt
Felsberg.
Auch im fünften Jahrzehnt ist die Freundschaft zwischen Familien
aus Felsberg und Le Havre lebendig. Zurzeit wohnen 34 Besucher aus
Le Havre und Umgebung für eine Woche bei Familien in Felsberg. Im
Rathaus Überherrn ist ein offizieller Empfang. Der Sonntag, erster
Tag nach der Ankunft, verlief ganz entspannt auf dem Sportplatz
Felsberg. Man spielte Boule mit deutsch-französischen Teams. Der
Schwenker war in Betrieb, guter frischer Kuchen gebacken. Eine prima
Gelegenheit, sich noch besser kennen zu lernen.
Mehr junge Leute gewinnen
In Wahrheit kennen sich die meisten; für lediglich drei
Gäste war es der erste Besuch in Felsberg. Man trifft sich im
jährlichen Wechsel in Deutschland oder Frankreich. Nach dem
deutsch-französischen Freundschaftsvertrag 1964 suchte eine
Jugendgruppe aus Le Havre deutsche Partner. Die
Pax-Christi-Organisation vermittelte die katholische Jugend aus
Felsberg. Eine Hand voll der Pioniere aus den Anfangsjahren sind
noch dabei. Viele Kontakte zwischen ganzen Familien sind entstanden,
haben über Jahre gehalten.
Maryline Catelain, die neue Präsidentin der Association
Amiti&; Franco-Allemande, wohnt nicht direkt in Le Havre,
sondern in dem 30 Kilometer entfernten Yebleron, wohin sich die
Association ausdehnte. Sie muss feststellen, dass es schwierig ist,
junge Leute zu gewinnen. Die meisten Kinder sind auch diesmal mit
ihren Eltern gekommen, die ihrerseits in der zweiten Generation die
deutsch-französische Freundschaft pflegen. Das macht gerade den
Charakter dieser Partnerschaft aus.
Willibald Hoffmann, seit 1990 Vorsitzender der
Arbeitsgemeinschaft Le Havre-Felsberg e.V., kann dies wie kein
anderer aus persönlicher Erfahrung bestätigen. Er lernte auf dem
Wege dieser Kontakte seine Ehefrau Isabelle kennen. Sie bedauert,
dass heute die Jugendlichen lieber Englisch als Französisch lernen,
wenngleich sie dafür Verständnis hat, schon allein wegen der
Computer. Willibald Hoffmann: "Wenn die Kinder erst einmal 16, 17
Jahre alt sind, interessieren sie sich für andere Dinge."
Auf Nachfrage, was den Franzosen am deutschen Alltag im
Unterschied zum eigenen auffällt, sagte Madame Catelain: In
Frankreich isst die Familie abends zusammen. Dann wird gekocht,
obwohl die meisten Familienmitglieder bereits mittags in der
Firmenkantine oder Schule warm gegessen haben.
Ohne große Gesten
Der Französischlehrer Martin Fellinger, der als Dolmetscher
zwar nicht immer gebraucht wurde, dann aber wertvolle Dienste
leistete, erläuterte, dass in Frankreich die Ganztagsschule mit
einem kompletten Mittagessen für jeden Schüler längst etabliert ist.
Noch mehr unterscheiden sich die Frühstücksgewohnheiten. Die erste
Mahlzeit des Tages fällt in Frankreich traditionell karg aus. Bei
allen Unterschieden ist jedoch die gegenseitige Wertschätzung das
Entscheidende. Hier funktioniert der Umgang miteinander ohne große
offizielle Gesten. Allerdings würde man sich über neue Mitstreiter
freuen. Laut Hoffmann sind es zurzeit 25 Mitglieder in Felsberg,
fünf bis sieben Familien.
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